Ludwig Teßmar schwimmt bei den deutschen Meisterschaften ins Jugend-Nationalteam – obwohl er nicht ganz fit ist.

Von Daniel Klein
Gestern ging es statt zum Training erst einmal zum Arzt. Die ganze Woche wird Ludwig Teßmar pausieren. Es sind nicht die Nachwehen der deutschen Meisterschaften, die den 15-Jährigen zum Nichtstun zwingen. Er war in Berlin mit einer nicht völlig auskurierten Erkältung angetreten. Nun braucht er erst einmal Ruhe.

Wer sich am vergangenen Wochenende am Beckenrand mit ihm unterhalten wollte, musste genau hinhören. Die Stimme des Sportgymnasiasten klang nach zwei durchzechten Kneipennächten. Aber natürlich war die fiebrige Grippe schuld. Sein Start war lange fraglich, die Ergebnisse deshalb umso überraschender: Über 400 Meter Lagen sowie 100 und 200 Meter Brust meisterte er die erste Qualifikationshürde für den Saisonhöhepunkt der 15- und 16-jährigen Schwimmer, das Europäische olympische Jugendfestival, kurz Eyof.

Bei den deutschen Jahrgangsmeisterschaften Anfang Juli folgt die endgültige Nominierung, lediglich jeweils acht Jungs und Mädchen nimmt der Verband mit in die georgische Hauptstadt Tiflis. „Wenn ich jetzt gesund bleibe und durchtrainieren kann, habe ich ganz gute Chancen“, sagt er. „Es wäre mein bisher größter Erfolg.“

Der gebürtige Berliner, der wegen eines Arbeitsplatzwechsels seiner Eltern mit fünf nach Dresden kam und für den Hainsberger SV startet, ist ein Rückkehrer und damit ein Glücksfall für den hiesigen Stützpunkt. Vor zwei Jahren trainierte er probeweise in Potsdam, Leipzig und Magdeburg und zog dann elbabwärts. Nach einem Jahr kehrte er zurück. „Die Abstimmung zwischen Schule, Training und Internat hat nicht so gepasst“, erzählt er.
In Dresden sei das besser, auch ein bisschen familiärer. „Hier macht es mir mehr Spaß und mit Spaß hat man ja auch Erfolg“, meint er. Dirk Bludau hört das gerne, der neue Stützpunkttrainer kämpft gegen das Abwandern der größten Talente in die Schwimmzentren. „Unsere Athleten werden angesprochen, bekommen Angebote. Wir sind ein bisschen stolz, dass momentan keiner gehen möchte“, so Bludau. Das hängt wohl auch mit dem Neubau zusammen, der gerade neben der maroden Halle am Freiberger Platz wächst. Ludwig Teßmar schaut da „täglich mit einer großen Vorfreude hin. Wenn alles fertig ist, bin ich in einem Alter, wo ich vorne mitschwimmen kann“, hat er schon einmal ausgerechnet. Der endgültige Abschluss der Arbeiten ist 2018 geplant.

Wie es sich anfühlt bei den ganz Großen seiner Sparte, hat er vor zwei Monaten bei einem internationalen Meeting in Berlin erfahren. Einige Vorläufe bestritt er da mit dem Briten Adam Peaty, seinem Vorbild. Der hatte mit 19 voriges Jahr bei der EM den Weltrekord über 50 Meter Brust verbessert. „Eine schöne Erfahrung, auch wenn ich ihn nur aus dem Augenwinkel beobachten konnte“, erinnert er sich.
Das nächste Ziel ist erst einmal das Jugendfestival in Tiflis. Zur Vorbereitung geht es kommende Woche ins Trainingslager in die Türkei. Bis dahin muss die Erkältung auskuriert sein.
(Quelle: SZ)